
Pechbrunn. Knapp zweieinhalb Wochen vor der Kommunalwahl haben die Grünen zum Politischen Aschermittwoch in die „Ochsentränke“ zu einer Brotzeit eingeladen – und dabei klare Akzente gesetzt. Kreissprecherin Monika Schneider begrüßte die vielen Gäste, bevor Bürgermeisterkandidatin Ute Döhler und Landratskandidat Josef Schmidt ihre politischen Schwerpunkte vorstellten.
Monika Schneider: Klare Kritik an der Staatsregierung
Kreissprecherin Monika Schneider eröffnete die Veranstaltung mit deutlichen Worten in Richtung Staatsregierung. Die Briefkästen seien derzeit voll mit Wahlwerbung, inhaltlich bleibe jedoch vieles vage. Besonders kritisch sah sie Aussagen von Ministerpräsident Markus Söder zur Förderpolitik. Fördergelder dürften nicht parteipolitisch abhängig sein, sondern müssten dort ankommen, wo sie gebraucht würden.
Schneider verwies auf die angespannte finanzielle Lage vieler Kommunen und Krankenhäuser. Es sei nicht hinnehmbar, dass Städte und Gemeinden Aufgaben schultern müssten, die eigentlich Bund und Land finanzieren sollten. Zugleich sprach sie sich klar gegen Hass und Einschüchterung im politischen Wettbewerb aus und betonte die Solidarität mit allen demokratischen Mandatsträgern.
Ute Döhler: „Nicht nur an morgen denken, sondern an übermorgen“
Bürgermeisterkandidatin Ute Döhler stellte ihre Rede unter ein sehr persönliches Leitmotiv. Als Mutter von vier Töchtern frage sie sich täglich, wie die Zukunft in Pechbrunn aussehen werde – ob es Arbeitsplätze gebe, ob junge Menschen bleiben könnten, ob der Ort lebenswert bleibe.
Die Berufsschullehrerin engagiert sich seit Jahren ehrenamtlich – unter anderem bei der Feuerwehr, im Bund Naturschutz sowie im Gemeinderat. Besonders wichtig ist ihr die Beteiligung junger Menschen. Sie plädierte für ein Kinder- und Jugendparlament, um Mitsprache frühzeitig zu ermöglichen.
Einen Schwerpunkt setzte Döhler auf die Energiewende vor Ort: Photovoltaikanlagen auf gemeindlichen Gebäuden, Bürgerbeteiligungsmodelle und langfristig die Energieautarkie Pechbrunns. Stillstand sei teurer als Investitionen in Klimaschutz, betonte sie. Auch energetische Sanierungen öffentlicher Gebäude, innovative Nahwärmekonzepte und eine klimafreundliche Ortsentwicklung gehörten zu ihren Zielen.
Darüber hinaus sprach sie sich für eine barrierefreie Umgestaltung des Rathauses, neue Lösungen für die ärztliche Versorgung – etwa ein mögliches medizinisches Versorgungszentrum in Kooperation innerhalb der Verwaltungsgemeinschaft – sowie eine attraktivere Dorfmitte aus. Mobilität ohne „Elterntaxi“, bessere Radwege und flexible ÖPNV-Angebote seien entscheidend, um junge Menschen in der Region zu halten.
Josef Schmidt: „Veränderung entsteht durch Menschen, die anpacken“
Landratskandidat Josef Schmidt aus Tirschenreuth stellte den Bürgerservice in den Mittelpunkt seiner Rede. Das Landratsamt müsse kundenfreundlicher und serviceorientierter werden. Politik dürfe nicht beim „Stammtischgewäsch“ stehenbleiben – echte Veränderung entstehe durch Menschen, die Verantwortung übernehmen und anpacken.
Der ausgebildete Gärtner, Bio-Landwirt und Metzgermeister, Mitglied im Bundesvorstand von Bioland, betonte die Bedeutung regionaler Wertschöpfung und einer soliden Haushaltsführung. Fördermittel müssten zielgerichtet eingesetzt werden – insbesondere für die Kliniken Nordoberpfalz, für Klimaschutzprojekte und für die Modernisierung öffentlicher Einrichtungen.
Ein zentrales Thema war die Energiewende im Landkreis Tirschenreuth. Ein großes Windrad sei deutlich ergiebiger als zahlreiche Photovoltaikanlagen auf Freiflächen. Wichtig sei jedoch, Akzeptanz zu schaffen: Wer Windräder in seiner Nähe habe, solle durch günstigeren Strom direkt profitieren. So könne man Vorteile vor Ort schaffen und Widerstände abbauen.
Auch beim öffentlichen Nahverkehr forderte Schmidt leistungsfähige, barrierefreie Angebote und Expressbuslinien zwischen den Städten. Klimaanpassungsprojekte müssten konsequent vorangetrieben werden, um die Region zukunftsfest zu machen.
„Wir fürs Hier“
Der Politische Aschermittwoch der Grünen in Pechbrunn war weniger von derben Wortgefechten als von programmatischen Aussagen geprägt. Im Mittelpunkt standen kommunale Finanzen, Energiewende, Bürgerservice, Mobilität und soziale Gerechtigkeit.
Die Botschaft des Abends war klar: Zukunft entstehe nicht durch Abwarten, sondern durch Engagement. Oder, wie es mehrfach formuliert wurde: durch Machen und Anpacken – „fürs Hier“.


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